Pädagogische Hochschule

Was ist Musik?


Sind Geräusche aus selbstgebastelten Instrumenten Musik?

Haben sie sich schon mal überlegt, was passiert, wenn Profi-Musiker Beethovens Fünfte auf Instrumenten spielen, die nicht klingen? Wenn sie ihr Musikverständnis auf die Probe stellen wollen, dann sollten sie sie das SRF-SternstundeMusik-Video „Das Beethoven-Experiment“ anschauen.

Das Video finden Sie hier oder in unserer Zotero-Datenbank.


Was ist Musik?

Die Frage ist mehrdeutig und auch die Antworten fallen je nach Perspektive unterschiedlich aus. In der Literatur gibt es zahlreiche Versuche, eine treffende Beschreibung für Musik zu finden…

 

John Sloboda, ein Musikpsychologe (1958):

„Music is organized sound“ (Musik ist organisierter Klang)

Alan P. Mernam, ein Musikanthropologe (1964):

„Music is not simply to understand as a constellation of sounds, but rather as human behavior“ (Musik muss man nicht einfach als Konstellation von Klängen auffassen, vielmehr als menschliches Verhalten)

John Blacking, ein Musikethnologe (1973):

"Music is humanly organized sound“ (Musik ist durch Menschen organisierter Klang)

Jean Molino, ein Musikwissenschaftler (1980):

Musik ist ein dreidimensionales Phänomen, bestehend aus (1)der Herstellung eines

klingenden ‚Objektes‘, (2)dem Klangobjekt selbst und (3)der Rezeption dieses ‚Objektes‘.

P. Lerdahl & R. Jackendoff (1983):

„Music is a product of human activity and human mental activity“ (Musik ist ein Produkt menschlicher Aktivität und menschlicher Geistesaktivität)

Francis Sparshott, ein Musikphilosoph (1994):

The music is, perhaps, a sounding structure or a structured sound, indwellling in the listening mind“ (Musik ist, vielleicht, eine klingende Struktur oder ein strukturierter Klang, dem hörenden Geist innewohnend)

John Cage, Komponist und Künstler:

The music that’s all around us (online / PDF)



Physikalisch ist Musik nichts anderes als Schwingung, Energie. Wir hören Tonhöhen (im Frequenzbereich zwischen 20 – 20000 Hz), verschiedene Klangfarben (Obertonspektren), Lautstärken (Hörschwelle – Schmerzschwelle), zeitliche Strukturierungen (Pulsationen, Rhythmen, Metren, Formen) und Harmonien (Zusammenklänge). Ist Musik Kunst? Ist alles was klingt Musik? Was ist mit der Stille? Gibt es sichtbare Musik?


Definitionen von Studierenden

Andreas Mueller - Christian Eich - Christine Simon - Eva Lehmann - Florian Winkler - Johannes Graf - Jonas Märki - Kathrin Woodtli - Lea Werderitsch - Luzia Mueller - Nadine Petitat - Simon Baumann - Tobias Suter - Jürgen Hatt - Jasmin Burkart


Im professionellen Umgang als Musiklehrer / Musiklehrerin

Für einen Musiklehrer /eine Musiklehrerin ist es von zentraler Bedeutung, in ihrem professionellen Umgang einen sehr offenen Musikbegriff zu pflegen; ein Verständnis, welches das einzelne Individuum ernst nimmt und das keinem Menschen (auf der ganzen Welt) das Recht abspricht, das was er als Musik empfindet, Musik zu nennen. Was gefällt, was meine Lieblingsmusik ist etc. wird durch diese Offenheit nicht eingeschränkt. Der Austausch darüber und über die Grenzbereiche individueller Definitionen kann Thema im Deutsch- (Aufsatz/Vortrags-Thema) oder im Musikunterricht (verschiedene Musikbegriffe, -Kulturen, -Stile, Communities etc.) sein. 

z.B.: Musik entsteht dort, wo „mein hörender Geist“ es zulässt, dass etwas zur Musik wird. Die Entscheidung liegt somit beim Hörenden selber, ob etwas Wahrgenommenes zu Musik wird! (also auch Stille, Verkehrslärm, Bachrauschen, Vogelgesang, Sprache, Bewegungsabläufe, Zahlenfolgen, Farbkompositionen etc. können Musik sein.)

Ungeklärte unterschiedliche Musikverständnisse sind für den Unterricht problematisch. Je nach Perspektive sind die individuellen Definitionen oft so verschieden und so rigoros, dass eine Verständigung zwischen den Beteiligten (Schülergruppen, Eltern – Kinder, Lehrperson – Schüler) manchmal nicht mehr möglich ist.

Daraus ist für die Musikpädagogik folgende Definition von Musik von grundlegender Bedeutung:

 

"Musik ist das, was ein Mensch sagt, es sei für ihn Musik." Markus Cslovjecsek, Musikpädagoge, 2003