Pädagogische Hochschule

Hilft Musik Mathematik zu verstehen?

Aktuell: EU finanziert ein Forschungsprojekt zu Musik und Mathematik.

«Musik ist eine arithmetische Tätigkeit des Geistes, dem verborgen bleibt, dass er dabei in Zahlen denkt.» Gottfried Wilhelm von Leibniz (17. Jh.)

Musik und Mathematik werden seit der Antike immer wieder als wunderbares Paar beschrieben. Die glückliche Beziehung zwischen den beiden Disziplinen wurde jedoch bisher weder mit der Grundschulmathematik noch mit den Inhalten des Musikunterrichts auf der Volksschule in Verbindung gebracht. Gegenstand der interdisziplinären Auseinandersetzung waren vielmehr Fragen zur Obertonreihe, zur Akustik und seit einigen Jahren zur Digitalisierung von Klängen oder die Diskussion um musikalische Stimmungen und um die mathematische Fassbarkeit von Komposition und Interpretation. Die damit befassten Bereiche der Physik, der Stochastik, der Kombinatorik und der Informatik haben wenig gemeinsam mit dem Curriculum der Volksschule.

Auf dieser Seite werden Projekte und Literatur vorgestellt, die aufzeigen, wie durch den Einbezug der Erfahrungswelten Klang und Bewegung in den Mathematikunterricht wichtige aktive Lernwege der Kinder für den Unterricht zugänglich gemacht werden können und gleichzeitig das Verständnis der Lehrpersonen für unerwartete Denkwege der Lernenden gefördert wird.

Projekt Mathe macht Musik (MAMU)

Aufbauend auf der oben beschriebenen Philosophie eines grundlegenden Zusammenhangs zwischen dem Lernen von Musik und Mathematik wurden im Rahmen des Projekts MAMU die Lehrmittel «Mathe macht Musik» Band 1-3 entwickelt.
«Mathe macht Musik» stellt eine Reihe von Impulsen zur musikalischen Umsetzung von konkreten Themen aus dem Mathematikunterricht (geometrische Muster, Formen der Umwelt, Zählen und Zuordnen, Zeichen lesen und schreiben, Zeit, Würfeln oder Zehnerbündelung) der ersten Schuljahre zur Verfügung. Sie wurden in Anlehnung ans Schweizer Mathematiklehrmittel «Zahlenbuch» entwickelt, sind jedoch unabhängig vom verwendeten Mathematiklehrmittel einsetzbar.

Link zur Webpage: http://www.mamu.ch/

 

Kommentare

Ich glaube also sehr, dass mathematisches Denken (in den in deinem Buch beschriebenen Kategorien) den kompetenten Umgang mit Musik begleiten sollte und in gestalterischer Hinsicht (für Improvisation, Komposition und Unterrichtsgestaltung) förderlich ist. Allerdings zweifle ich daran, dass musikalische Tätigkeit in diesem Feld dem mathematischen Denken nachhilft. Tätigkeiten wie Töne und Tonlängen zählen, Taktarten kombinieren, Strukturen bilden, einfache Verhältnisse bewegungsmässig/rhythmisch darstellen etc. sind doch trotz hohem musikalischem Anspruch mathematisch gesehen recht banal. Mir scheint, musikalische Tätigkeit benötigt mathematisches Denken, Mathemathik braucht die Musik weniger; bildliche Veranschaulichung von Mathematik ist verständlicher als akustische “Veranhörung”, die ihrerseits bereits ein hohes Mass an musikalischer Vorerfahrung voraussetzt!

Dies ist eine zentrale Frage und ich meine, dass es sich lohnt hier ganz genau hinzuschauen. Elementare Mathematik ist keinesfalls “keine Mathematik”, genau sowenig wie elementare musikalische Formen auch nicht “keine Musik” sind. Ich habe zum Thema einen Beitrag gefunden, welcher für die Diskussion hilfreich sein könnte: “How the Embodied Mind brings Mathematics into Being”. Hier der Link zur Rezension von Michael Buchholz im Forum für Qualitative Sozialforschung. Das Buch ist in unserer Fachschaftsbibliothek vorhanden.