Pädagogische Hochschule

"What is music education good for?": Ein Bericht zum Eröffnungskolloquium vom 22. Oktober 2018 im Festsaal des Philosophicums in Basel

Markus Cslovjecsek begrüsste das Publikum zur Startveranstaltung der Reihe «Musik & Mensch» 2018-2019 im Festsaal des Ackermannshof (Philosophicum Basel) und gab dem Themenschwerpunkt «Transform» der 14 Veranstaltungssaison bekannt.

Prof. Dr. Øivind Varkøy, Professor für Musikpädagogik und Leiter des Doktoratsstudiums an der Musikakademie Oslo plädierte in seinem Referat «What is music education good for?» für einen gesunden Optimismus bezüglich den Wirkungen und Potenzials musikalischer Bildung – Eine Haltung in Richtung «down to earth». Damit schlägt er einen Mittelweg ein, zwischen blindem Vertrauen in Musik, respektive Ignoranz gegenüber negativen Faktoren – in seinem Referat als Verblendung / «Hybris» bezeichnet - und der Ohnmacht vor ebendiesen Faktoren bei kritischer Beschäftigung im Arbeitsfeld Musik– auch als Resignation zusammengefasst. Seine Absicht schien dabei, zur gemässigteren Haltung gegenüber den Kräften von Musik aufzurufen, demnach vielmehr zu hoffen anstatt zu (blind) zu glauben. In diesem Zusammenhang ist der deutsche Begriff «Bildung» hilfreich. Auf der Grundlage verschiedenster Impulse von Theodor W. Adorno, Charles Taylor, Martha Nussbaum und Iris Murdoch plädierte Varkøy für ebendiese ausgewogene, aber auch flexible Position.

Weiter stand der «innere Wert» musikalischer Erfahrung zur Diskussion. Dieser zeichnet sich gemäss dem Referenten bestenfalls als reine Handlung aus, ohne dass ein direktes Resultat erfolge oder etwas instrumentalisiert würde.

 

Der als Diskutant eingeladene, ja im Philosophicum quasi heimische Dr. Christian Graf, Philosoph, Autor, Klavierpädagoge und Leiter der Gesprächsreihe «Denkpausen», gab nebst dem Lob zum Gelungenen Vortrag zu Bedenken, dass aus philosophischer Sicht, bezüglich Einzigartigkeit musikalischer Erfahrung gegenüber anderen Tätigkeiten mit innerem Wert (Handeln), eine Argumentationslücke besteht. Demnach könne man nach Varkøys Darlegung das Spazierengehen oder Essen mit Freunden dem Wert musikalischer Erfahrung gleichsetzen.

Øivind Varkøy verwies danach darauf, dass in der aktuellen Musikpraxis oft nur die äusseren Faktoren musikalischen Handelns / Erfahrung fokussiert werden. Bei der Beschäftigung mit Musik und dessen inneren Werten offenbart sich ein Universum an mannigfaltigen Möglichkeiten der Erfahrung, die andere Bereiche so nicht bieten können. Musik kann also so eine Antwort darauf sein, der Heterogenität einer Klasse und den Individuen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Erwartungshaltungen zu begegnen.

 

Das Eröffnungsreferat, welches über grössere Strecken das transformative Potenzial musikalischer Erfahrung beleuchtete, hat das Motto der neuen Reihe Musik & Mensch hervorragend getroffen und hat auch Mut gemacht, im eigenen Unterricht noch mehr auf diese unendlichen Möglichkeiten der Musik einzugehen, ohne dabei den Boden unter den Füssen zu verlieren.

 

Samuel Marti - ISEK

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