Pädagogische Hochschule

Fördern und Beurteilen im Musikunterricht

Impulse zum sinnvollen Beurteilen von Schülerleitungen im Musikunterricht

Leistungen in Musik beurteilen – geht das überhaupt?

Beurteilen gehört ganz natürlich und zwingend zum Prozess des Musizierens. Beurteilt wird ständig durch den Ausübenden selber, seine Mitspielenden, die Leiterin oder den Lehrer und allenfalls durch das Publikum. Musikalische Kompetenzen zeigen sich insbesondere in musikalischer Tätigkeit und nur sehr bedingt im Sprechen über Musik, durch schriftliche Leistungsüberprüfungen oder durch Messungen.

  • Musikalische Kompetenz meint zu grossen Teilen praktisch musikalische Fertigkeiten und Fähigkeiten.
  • Wesentliche Lerninhalte des Faches Musik sind stark mit der Persönlichkeit und der Emotionalität von Schülerinnen und Schülern verbunden.
  • Voraussetzungen in Musik sind mit zunehmendem Alter immer heterogener und die Lernwege sind individuell unterschiedlich.
  • Lernprozesse laufen sowohl in Gruppen und wie auch bei jedem Individuum individuell.
  • Üben ist ein wichtiger Bestandteil individueller und gemeinsamer musikalischer Lernprozesse.
  • Das musikalische Produkt lebt von der Kreativität, den Fähigkeiten und vom Engagement jedes Einzelnen und von der Qualität der Kommunikation innerhalb der Gruppe.

Bezugsnormen und Funktionen der Schülerbeurteilung

In der pädagogischen Diagnostik werden drei Perspektiven der Beurteilung unterschieden
(vgl. Buff, A. (1994) Link):

soziale Bezugsnorm:

Das individuelle Lernergebnis wird mit den Leistungen anderer Schüler verglichen. Innerhalb der Gruppe der Beurteilten wird eine Reihenfolge (Rangordnung) erstellt. Die soziale Bezugsnorm dient der Auslese (Selektion).

Im Musikunterricht: Auslese hat im Musikunterricht der Volksschule in Bezug auf konkrete Projekte (z.B. wer singt das Duett, wer spielt den Triangel etc.) eine wichtige Bedeutung. Da die weiterführenden Schulen keine spezifisch unterschiedlichen musikalischen Profile führen, ist eine Selektion für die Promotion nicht relevant und die soziale Bezugsnorm im Fach Musik für die Notengebung nicht sinnvoll.

sachliche (fachliche Bezugsnorm):

Das individuelle Lernergebnis wird mit einem gesetzten Lernziel, einem Kriterium verglichen. Lernziele und Kriterien zu vereinbaren, anzustreben und Erfolg und Misserfolg zu beurteilen, hat vornehmlich mit Information, mit der Kontrolle von Lern- und Unterrichtserfolg und mit Prognose zu tun.

Im Musikunterricht: Fachliche Lernziele sind eine wichtige Bezugsnorm für die Leistungsbeurteilung im Musikunterricht. Lehrende und Lernende erhalten damit Informationen bezüglich Stärken und Schwächen. Mit klaren Aussagen zu klaren Lernzielformulierungen wird es möglich, gezielt weiterführende Lernschritten zu realisieren. Diese Einschätzungen und Rückmeldungen sind ein wichtiger Faktor der individuellen Leistungsbeurteilung und relevant für die Promotion.

individuelle (zeitliche Bezugsnorm):

Das aktuelle Lernergebnis, die aktuelle Fertigkeit wird mit einem früheren Ergebnis, früheren Fertigkeiten verglichen. Die Bewertung erfolgt auf der Grundlage des individuellen Fortschritts und ist damit motivational und prognostisch relevant.

Im Musikunterricht: Individuelle Lernforschritte zu beurteilen ist von zentraler Bedeutung für die Lernmotivation und hilft mit prognostische Einschätzungen vorzunehmen. Da musikalische Fähigkeiten und Fertigkeiten fundamental vom Engagement (Übezeit) abhängen, ist die zeitliche Bezugsnorm für die Leistungsbeurteilung im Musikunterricht unabdingbar und deshalb relevant für die Promotion.

Chancen, Risiken und Forderungen

Das Beurteilen ist jeder musikalischen Aktivität immanent. Die neue Promotionsverordnung des Kantons Aargau erfordert einen bewussten Umgang mit diesem Sachverhalt (vgl. PLV-post_2008_Beurteilen gesamthaft angehen).
Wenn – aus falscher Rücksichtnahme – einem Kind verheimlicht wird, dass es das Lied nicht ‘auf gemeinsamer Tonhöhe’ mit der Gruppe singt, wird niemandem ein Dienst erwiesen – dem betreffenden Kind nicht, der Gruppe nicht und auch der Musik im Unterricht nicht.

Wichtig ist, dass das Notengeben nun nicht dazu führt, dass für Noten einmal pro Semester vorgesungen und einmal vorgeklatscht wird. Wichtig ist, dass Fehler machen beim Musizieren als Chancen gesehen werden und dass Übungs- und Lernstrategien entwickelt werden um Kompetenzen zu entwickeln und zu trainieren. Beurteilen soll im Musikunterricht förderorientiert erfolgen.

Dazu ist es aber dringend nötig, dass entsprechende Kompetenzen stufenweise beschrieben werden und eine Sammlung erstellt wird mit relevanten Aufgaben für das Training und die Diagnose der jeweiligen Kompetenzen.