Pädagogische Hochschule

Musikunterricht im interdisziplinären und fächerübergreifenden Dialog

Ein zentraler Schwerpunkt der Aktivitäten der Professur Musikpädagogik im Jugendalter ist der interdisziplinäre und fächerübergreifende Unterricht und die damit verbundenen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Die interdisziplinäre Ausrichtung ist gerade für Studierende der Sekundarstufe I von besonderem Interesse. So können ihnen forschungsgestützte Zugänge zu Studium und Unterricht ihrer drei bis vier Fächer vermittelt werden. 

Ein zentrales Projekt in diesem Zusammenhang ist das Europäisch finanzierte „European Music Portfolio“ (EMP). Auf ein erstes Projekt, EMP-Languages, welches sich auf die Verbindung von Musik und Sprachlernen fokussierte (Buhl & Cslovjecsek, 2010; Viladot & Cslovjecsek, 2014; Clovjecsek et al., 2015), folgte das Projekt EMP-Maths (siehe S. 102). In Zusammenarbeit mit sieben europäischen Partnerinstitutionen entwickelt EMP-Maths ein Weiterbildungsangebot für europäische und schweizerische Lehrkräfte, das die integrative Vernetzung der Fächer Mathematik und Musik fördert. Das dreijährige Projekt sammelt, entwickelt und evaluiert Aktivitäten und Lernmaterialien für einen fächerübergreifenden Unterricht, der auf interdisziplinären und erlebnisorientierten Ansätzen fusst. Ein weiteres Ziel ist die Etablierung einer europäischen Austauschplattform, auf welcher Fachpersonen an der theoretischen Fundierung des fächerübergreifenden Unterrichtens arbeiten können. Das Nachfolgeprojekt EMP-Arts, welches sich der Integration von Musik und gestalterischer Fächer widmet, ist in Vorbereitung. Partner in diesem Projekt sind die Laurea University of Applied Sciences in Finnland, die HEP Vaud, sowie weitere Partner in Griechenland, Spanien, Österreich, Holland und Australien.

Ein weiteres, exemplarisches Projekt der Professur in diesem Zusammenhang ist «CLIL-Music». Im Rahmen des ISEK Forschungsschwerpunktes «Aufgabenkulturen» setzt sich dieses Projekt die Entwicklung von CLIL-Musikmodulen zum Ziel, welche durch eine Fremdsprache das Lernen im Fach Musik fördern. Eine CLIL-Musik Tagung wurde bereits durchgeführt (http://www.schulfachmusik.ch/tagungen/clil-day-musik-2016/music-in-engli...), ein Drittmittelprojekt in Kooperation mit der Uni Erfurt ist in Vorbereitung.

Im Kontext des Themenbereiches Interdisziplinarität und fächerübergreifender Unterricht wird auch Entwicklungsarbeit im Bereich Lehr- und Lernmittel geleistet. An erster Stelle ist an dieser Stelle das multisensorische Lehr-Lernmittel «creafon®“ zu nennen, welches über die letzten Jahre auch im Rahmen der strategischen Initiative «CreaEduTool“ (in Kooperation mit den Hochschulen für Technik und Gestaltung der FHNW) weiterentwickelt wurde (Hug et al., 2013). Dabei handelt es sich um eine Sammlung von farbigen Plättchen die mit unterschiedlichen Rillenmustern versehen sind. Das Design der Plättchen ermöglicht einen haptischen, auditiven und visuellen Zugang zu unterschiedlichen Lehr- und Lernaktivitäten. Darüber hinaus sind die Projekte, welche weiter unten im Kontext der Initiative zu «Neuen Instrumenten in der Klangbildung“, und im Rahmen der Nutzung neuer Technologien und Medien für die musikalische Bildung genannt werden, interdisziplinär und fächerübergreifend angelegt.

Eine wichtige Rolle in der Entwicklung und Dissemination von Unterrichtsaktivitäten, aber auch in Bezug auf den Fachdiskurs und die Theoriebildung, nimmt die Plattform «Music&Life» ein. Deren Ziel ist es, vielfältige Formen eines integrativen Denkens und Handels in Verbindung mit Musik zu entwickeln und zu erforschen. Dies geschieht mit der Dialogplattform http://www.musikundmensch.ch, respektive http://www.musicandlife.eu. Hier werden die Referate, Gespräche und Konzerte der gleichnamigen Konzert- und Kolloquiumsreihe (siehe S. 124) dokumentiert und für die Verwendung im Unterricht aufbereitet. Mit dieser Plattform werden Räume für Forschung und Entwicklung sowie Lehren und Lernen eröffnet, in denen integrative Zugänge diskutiert, erprobt und weiterentwickelt werden. Die Projektverantwortlichen der Professur Musikpädagogik der PH FHNW und der PH Niederösterreich beabsichtigen die Plattform weiter zu internationalisieren. 

Unter den Aktivitätsbereich Interdisziplinarität und fächerübergreifender Unterricht fällt auch unsere Rolle als Koordinatoren der 2006 gegründeten Special Interest Group «PRIME»  der International Society for Music Education ISME. Als Leiterin dieser SIG widmet sich die Professur der Pflege des SIG PRIME Netzwerkes, welches aktuell circa 180 Forscher und Praktiker aus aller Welt umfasst. Ausserdem kümmern wir uns um die Entwicklung und Koordination der PRIME bezogenen Forschungsaktivitäten, dem Betrieb einer Website und eines Newsletters. Die Professur Musikpädagogik ist ausserdem verantwortlich für die Koordination der SIG PRIME Veranstaltungen, welche im Rahmen der ISME Weltkonferenz stattfinden. Dies beinhaltet auch die Begutachtung der eingereichten Fachbeiträge. Eine Publikation eines Sammelbandes mit Beiträgen aus der SIG PRIME Gruppe ist in Planung.

Die Illustration PRIME-Cloud gibt einen beispielhaften Überblick über die Themenfelder und die Autoren, welche im Rahmen der jüngsten ISME Konferenz zu PRIME präsentiert wurden.