Pädagogische Hochschule

Bachelor Grundstudium SEK I

Fachwissenschaft

FW1.1 - Singen und Anleiten

Im Zentrum dieser Lehrveranstaltung steht die Beschäftigung mit der Stimme in Theorie und Praxis. Ziel ist es, singend und reflektierend Kenntnisse über die menschliche Stimme, unser wichtigstes Kommunikationsmittel und Musikinstrument, zu erwerben und auszubauen. Der richtige Umgang mit der Sprech- u. Singstimme von Jugendlichen und Erwachsenen erfordert Erfahrung und spezifisches Wissen bezüglich Entwicklungsstadien, Pflege und Diagnose der Stimme. 

Gleichzeitig ist es ein Ziel, durch das gemeinsame ein- und mehrstimmige Singen ein stilistisch breites, stufenadäquates Singrepertoire zu erarbeiten und Formen kennen zu lernen, wie Lieder erarbeitet, angeleitet und aufgeführt werden können. Das dazu notwendige theoretische Wissen (Quintenzirkel, Tonleitern, Akkorde und Intervalle) und das entsprechende musikalische Vorstellungsvermögen werden konsolidiert, weiter aufgebaut und in individueller Studienarbeit vertieft. Fragen der Stimmbildung in der Gruppe, Schwierigkeiten und Chancen des Singens im Klassenverband und in Verbindung mit neuen Medien sowie Voraussetzungen für chorisches Singen mit Jugendlichen sind Thema der praktischen Auseinandersetzung und ihrer Reflexion.

FW1.2 - Praxisfeld Klassenmusizieren

In dieser Lehrveranstaltung steht das Musizieren in verschiedenen Stilrichtungen auf verschiedenen Instrumenten im Zentrum der Auseinandersetzung.

In wechselnden Formationen wird in verschiedenen Stilen musiziert. Kenntnisse in Harmonielehre, Akkordspiel, Improvisation und Liedbegleitung werden dabei umgesetzt, in konkreten Situationen angewandt und vertieft. Das instrumentenspezifische Notieren und zielgruppenorientierte Arrangieren und Vereinfachen von Musik bildet einen weiteren Schwerpunkt des Seminars.

Im Selbststudium wird das musiktheoretische Wissen (siehe Literatur) und der computerunterstützte Notensatz (z.B. mit Musecore) erarbeitet bzw. aufgefrischt. Zusätzlich wird das Grundlagenwissen im Umgang mit technischem Band-Equipment aufgebaut.

FW1.3 - Hören und Kontextualisieren

Durch das Hören auf verschiedenen körperlichen Ebenen manifestieren sich Geräusch- und Klangereignisse im Menschen, trifft die Musik auf das Individuum und löst etwas in uns aus. Musikwahrnehmung ist ein aktives Geschehen und bezieht den ganzen Körper mit ein. Die Auseinandersetzung mit dem Hören und Zu-Hören (Horchen) berührt die Frage nach dem Wesen der Musik besonders stark – physikalische, ästhetische, soziale Aspekte fließen ein. Diese Lehrveranstaltung beschäftigt sich mit den vielen Facetten des Phänomens Hören in Theorie und Praxis. Grundlagen der Akustik und des Hörorgans, Synästhesien und akustische oder neurologische Spezialfälle wie das absolute Gehör oder Amusie sind ebenso Teil der Lehrveranstaltung wie die Wahrnehmung von Musik auf auditiver, haptischer, taktiler und visueller Ebene im Sinne eines ganzkörperlichen Hörens. In dieser Auseinandersetzung werden beispielsweise Fragen nach Gehörlosigkeit/Schwerhörigkeit virulent, die konkret den pädagogischen Alltag betreffen. Hörend werden Antworten auf die Frage nach dem Wesen der Musik gesucht, in unterschiedlichen geografischen, soziokulturellen wie epochalen Kontexten. Gehörbildung geschieht sowohl in der analytischen musiktheoretischen Auseinandersetzung mit einzelnen Musikstücken als auch durch das bewusste Zu-Wenden und Mit-Bewegen im Individuum. Ziel ist es, sich der Flüchtigkeit des musikalischen Hörerlebnisses mehrdimensional bewusst zu stellen und dennoch – auch schultaugliche – Zugänge zu suchen, um in vielfältige bekannte wie weniger bekannte musikalische Welten einzutauchen und die gemachten Hörerfahrungen zu reflektieren. 

FW1.4 - Bewegung und Rhythmus

Es gibt keine Musik ohne Bewegung und keine Bewegung ohne Rhythmus. Musik und Bewegung sind ursprünglich miteinander verbunden. Musikerleben inkludiert Bewegung, Musikempfindung ist nie vom Körper losgelöst. Erste Musikerfahrungen sind gleichzeitig Bewegungserfahrungen. Die Parameter Zeit, Kraft, Raum und Form sind die Musik und die Bewegung übergreifende gemeinsame Basis. Insbesondere der Rhythmus entstand aus der Bewegung, weshalb beim Rhythmuslernen der Körper fundamental ist. In dieser Lehrveranstaltung steht der Körper als Instrument im Zentrum, werden musikalische Grunderfahrungen über Bewegung initiiert, erlebt und gestaltet, musikalisches Hören mit dem ganzen Körper geübt und Rhythmus in Bewegung, mit Bodypercussion und Perkussionsinstrumenten umgesetzt. Ganzheitliches Musizieren setzt eine körperliche Schulung durch Sensibilisierung der Wahrnehmung, Bewegungstechniken und Arbeit am Ausdruck voraus. Körperliche Zugänge der Musikanalyse und -interpretation, Bewegungsgestaltungen und Tanz sowie rhythmische Spielformen dienen dem Aufbau von Körperpräsenz und rhythmischer Kompetenz sowie einer vertieften musikalischen Auseinandersetzung und künstlerischen Gestaltungsfähigkeit. Der kreative Umgang mit Bewegung im Kontext der Musik integriert sowohl Spiel und Improvisation als auch Arbeit mit einfachen choreographischen Strukturen und die Beschäftigung mit diversen traditionsreichen und zeitgenössischen Tanzformen. 

Fachdidaktik

FD1.1 - Erleben und Begründen - Musikpädagogische Praxen und ihre bildungstheoretischen Begründungsebenen

In dieser Lehrveranstaltung werden alle Kompetenzbereiche der musikpädagogischen Praxis aus der Perspektive des „Wozu und Wieso?" (Begründungsebene) an konkreten Beispielen erkundet. Die in der praktischen Erfahrung formulierten Positionen und subjektiven Theorien der Studierenden werden mit intersubjektiven Positionen aus Theorie und Wissenschaft konfrontiert. Singen, Musizieren, Tanzen, Hören, Gestalten – sämtliche zentralen klassischen Themen und Inhalte des Musikunterrichts werden hinterfragt. Am Ende steht der schulische Musikunterricht an sich zur Disposition. En passant entsteht bei diesen waghalsigen musikpädagogischen Pirouetten ein stabiles Begründungs-Netz mit Bezügen zu musikalischem Wissen und Können im engeren Sinne. Musik in ihrer Funktion als Kommunikationsmedium dient dabei ebenso als Bezugspunkt wie persönliche, kulturelle, gesellschaftliche und soziale Aspekte. Dies bereitet von Anfang an auf valide Planungsentscheidungen im Fach Musik vor. 

FD1.2 - Lernen ermöglichen – Inhalte, Methoden und Werkzeuge im Schulfach Musik

In diesem Modul werden alle Kompetenzbereiche des Schulfachs Musik aus der Perspektive des „Was, Wie und Womit?" (Inhalts-, Methoden- und Werkzeugebene) praktisch erkundet. Die Studierenden überprüfen in Unterrichtssimulationen Unterrichtsvorschläge aus Lehrmitteln in der Konfrontation mit fachdidaktischen Positionen und lerntheoretischen Erkenntnissen auf ihre Tauglichkeit und Qualität hin. Sie experimentieren mit unterschiedlichen Lehrerrollen und methodischen Konzepten und reflektieren deren Wert mit Blick auf die Förderung von Lernprozessen. Sie üben den Umgang mit diversen fachbezogenen Werkzeugen und Medien, die Musiklehrer heute einsetzen. Im Wissen um die Vielfalt musikalischen Lernens innerhalb und ausserhalb der Schule können die Studierenden musikalische Lernziele adäquat einordnen und erste musikalische Unterrichtsvorhaben planen und auswerten.